Einen großen, luxuriösen Liner zu besitzen ist eine Sache. Aber an Bord absolute Energiefreiheit zu haben, bei der man sich nicht überlegen muss, wie viele Geräte man gleichzeitig einschaltet, ist eine ganz andere Liga. Auf unserer Rückfahrt von der kroatischen Insel Pag habe ich beschlossen, unsere Bordanlage von Victron Energy dem ultimativen Belastungstest zu unterziehen. Kein vorsichtiges Herantasten – einfach ein knallharter Test all dessen, was das System bewältigen kann.

Wenn Sie wissen möchten, wie eine 400-Ah-LiFePO4-Batterie, ein 3000-VA-Wechselrichter MultiPlus-II, 780 Wp Solarpanele auf dem Dach und zwei DC-DC-Ladegeräte während der Fahrt mit einer Last von über 4,4 kW zurechtkommen, willkommen zum heutigen technischen Bericht.

Phase 1: Morgendliches Inselpurgatorium (Klimaanlage, Haartrockner und Eiswürfelmaschine)

Der Test begann gleich nach dem Aufwachen. Das Fahrzeug stand komplett vom Netz getrennt, im reinen Inselbetrieb. Draußen brannte schon seit dem Morgen die Sonne, also war das Szenario klar: Die Crew verlangt vollen Komfort.

Nach und nach wurde eingeschaltet:

Innerhalb von zwei bis drei Stunden bekam das System einen ordentlichen Schlag ab und saugte rund 5 kWh reine Energie ab. Die Batteriekapazität fiel auf fünfzig Prozent. Für 95 % der gewöhnlichen Wohnmobile würde das den energetischen Tod und das sofortige Abschalten von allem bedeuten. Bei uns? Nur ein gewöhnlicher Vormittag. Der MPPT-Regler begann bereits, die ersten starken Sonnenstrahlen einzufangen, und der nächste Schritt stand am Horizont.

Phase 2: Das Grillmassaker am Nachmittag (AC-Last von 4.446 W!)

Das war die verrückteste Passage, die ich über die VRM-App aufzeichnen musste. Während wir noch standen und das Essen vorbereiteten, schlossen wir den elektrischen Kontaktgrill an. Dazu liefen die Klimaanlagen und die Bordtechnik. Das Ergebnis? Die AC-Last schoss auf unglaubliche 4.446 W!

Sehen Sie sich den Screenshot an, den ich in diesem Moment in Echtzeit gemacht habe:

VRM-Screenshot — AC-Last 4.446 W, Batterie 49,8 %, Entladung -256,7 A
VRM, 15:23 Uhr — AC-Last 4.446 W, MultiPlus-II Entladung -256,7 A / -3.260 W, Batterie 12,70 V / 49,8 %, Solar 448 W.

Wie hat das System dieses Extrem über Victron PowerAssist bewältigt?

Unser Wechselrichter MultiPlus-II 12/3000/120 hat auf dem Papier eine Dauerleistung von rund 2.400 W (3000 VA). Wie ist es also möglich, dass er 4,4 kW bewältigt hat, ohne dass die Sicherungen durchgebrannt sind?

Hier zeigte sich die Genialität der Funktion Victron PowerAssist (Unterstützungsmodus):

  1. Die Camping-Steckdosensäule (Netz) war bewusst auf das sichere Limit von 7,8 A (1.682 W) begrenzt, damit der Sicherungsautomat auf dem Campingplatz nicht auslöste.
  2. Der MultiPlus-II erkannte, dass die Last (4.446 W) zu hoch war. Er synchronisierte sich sofort phasengleich mit dem Netz und begann, die verbleibenden 2.895 W über den Wechselrichter aus der Batterie zu „saugen“!
  3. Die Batterie spuckte in diesem Moment regelrecht Blut — die Entnahme aus dem Lithium betrug verrückte -256,7 A (reine Entladung der Anlage -3.260 W). Die enorme Last drückte die Batteriespannung auf 12,70 V, was bei einem solchen Strom bei LiFePO4 jedoch ein gesundes Zeichen des Innenwiderstands ist. Die Solarpanele steuerten in diesem Moment ihre 448 W zur Situation bei.

Das war der ultimative Test für die Verkabelung, die Verbindungen und den Wechselrichter jenseits seiner nominalen Dauerleistung. Er hielt alles, nichts brannte durch, und das Fleisch wurde in aller Ruhe fertig gegrillt. Der Batteriezustand stabilisierte sich bei 49,8 %.

Phase 3: Schnelle Erholung nach dem Grillen

Sobald der Grill ausgeschaltet wurde, atmete das System tief auf, wie der nächste Screenshot zeigt, der nur 6 Minuten später (um 15:29 Uhr) aufgenommen wurde.

VRM-Screenshot — AC-Last 1.679 W, Ladung 37,5 A, Spannung 13,19 V
VRM, 15:29 Uhr — AC-Last 1.679 W, Unterstützungsmodus aus, Laden 37,5 A, Spannung 13,19 V.

Die AC-Last fiel auf 1.679 W (laufende Klimaanlagen). Ich machte sofort einen Management-Schachzug — ich erhöhte das Limit an der Säule auf 10 A (1.715 W). Der MultiPlus schaltete sofort den Unterstützungsmodus ab und wechselte in den massiven Ladebetrieb. Die Batteriespannung sprang zurück auf gesunde 13,19 V, und ein regenerativer Strom von 37,5 A begann in die Batterie zu fließen.

Weitere 3 Minuten später fiel die Last der Klimaanlagen auf 974 W (der Innenraum war bereits abgekühlt), und die freie Leistung aus dem Netz (1.995 W / 9,3 A) zusammen mit den Solarpanelen (445 W) erzeugte eine perfekte Symphonie: Ein brutaler Ladestrom von 101 A (1.343 W) begann in die Batterie zu strömen!

VRM-Screenshot — Ladestrom 101 A / 1.343 W, Netz 1.995 W
VRM, 15:32 Uhr — AC-Last 974 W, Laden 101 A / 1.343 W, Netz 1.995 W / 9,3 A, Solar 445 W.

Phase 4: Autobahnflug mit voller Kühlung und der Kraft der Lichtmaschine

Und jetzt zur Hauptsache — nach dem Abbau des Campingplatzes machten wir uns auf den Heimweg in Richtung Tschechien. Und hier kommt die wichtigste Regel: Der elektrische Grill läuft während der Fahrt natürlich nicht (Sicherheit und gesunder Menschenverstand gehen vor!), aber beide Dachklimaanlagen sehr wohl!

Die Fahrt auf der Autobahn verlief in völliger Kühle. Im Fahrerhaus lief die Motorklimaanlage, und im Wohnbereich liefen beide Dachklimaanlagen auf vollen Touren über den Wechselrichter aus der Batterie. Kein Landanschluss, reine Autobahn. Wie ist es möglich, dass wir die Batterie nicht entladen haben?

Sehen Sie sich den Screenshot an, der die Tagesbilanz des Solarreglers MPPT 150/60 zeigt:

VRM-Screenshot — täglicher Solarertrag 3.980 Wh, Spitzenleistung 654 W
VRM, Verlauf MPPT 150/60 — Gesamttagesertrag 3.980 Wh, maximale Leistung 654 W.

Schlussabrechnung: voll aufgetankt nach Hause

Als wir abends in Tschechien ankamen, rief ich mir das komplette Tagesdiagramm aus dem VRM-Portal auf, das die gesamte Autobahnfahrt schön zusammenfasst:

VRM-Tagesdiagramm — Verbrauch 5,6 kWh, Solarertrag 4,0 kWh, Netzbilanz 0 kWh
VRM, Tageszusammenfassung — Verbrauch 5,6 kWh, Solarertrag 4,0 kWh, Netzbilanz 0 kWh.

Sehen Sie sich diese blaue Kurve des Batteriezustands an. Gegen 14:00 Uhr fiel sie zwar wegen der Last beider Klimaanlagen auf etwa 60 %, aber sobald die Klimaanlagen nachließen, gelang es der Kombination aus Solarpanelen und vor allem dem 80-A-Ladestrom von der Lichtmaschine, die Batterie auch während der Fahrt wieder auf 100 % zu bringen. Sogar der Solarregler schaffte es, am Ende des Tages in die Absorptionsphase zu wechseln und die Zellen schön auszubalancieren.

Das Fazit? Wir kamen in einem perfekt gekühlten Fahrzeug nach Hause, testeten vor Ort eine extreme 4,4-kW-Last, verbrauchten über 5,5 kWh Strom, und trotzdem parken wir vor dem Haus mit einer vollständig vollen, hundertprozentig geladenen Batterie.

Dieses auf Victron-Energy-Komponenten aufgebaute System war jeden einzelnen Cent wert. Denn das hier ist kein gewöhnliches Wohnmobil — es ist ein unabhängiges, unverwüstliches Kraftwerk auf Rädern.

📦 Verwendete Komponenten

  • Victron MultiPlus-II 12/3000/120-32 (Wechselrichter/Ladegerät mit PowerAssist-Funktion)
  • Victron BlueSolar MPPT 150/60 (Solarladeregler)
  • 2× Victron 12,8 V / 200 Ah LiFePO4 (insgesamt 400 Ah)
  • 780 Wp Solarpanele auf dem Dach (Serien-Parallel-Schaltung)
  • 2× Victron Orion-Tr Smart DC-DC (isoliert 30 A + nicht isoliert 50 A)
  • VRM Portal / VictronConnect (Überwachung und Fernverwaltung)
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