Als ich beschloss, die Beleuchtung meines Phoenix 8200 BML auf dem Fahrgestell des Iveco Daily 60C18 (2016) zu modernisieren, dachte ich, das würde eine der einfachsten Umbauten werden.
Die ursprünglichen Frontscheinwerfer bestanden aus vier separaten 90-mm-Halogenmodulen von HELLA.
- zwei Abblendlichter,
- zwei Fernlichter.
Auf den ersten Blick eine ideale Situation. HELLA stellt auch moderne Bi-LED-Module in derselben Größe von 90 mm her, also ging ich davon aus, dass es sich um einen einfachen Tausch handeln würde.
Ich habe mich geirrt.
Erster Schritt — Abblendlicht
Zunächst tauschte ich die originalen Halogen-Abblendlichter gegen HELLA Bi-LED Essential (1AL 015 318-111) aus. Ich wollte erst überprüfen, ob alles funktionieren würde.
Der Unterschied war enorm. Plötzlich hatten die Scheinwerfer eine scharfe Hell-Dunkel-Grenze, eine um ein Vielfaches höhere Lichtstärke und eine deutlich angenehmere Lichtfarbe.
Ich sagte mir, dass die zweite Etappe genau gleich verlaufen würde.
Das war sie nicht.
Zweiter Schritt — Performance
Nach einigen Monaten entschied ich mich, auch die originalen Fernlichter zu ersetzen. Diesmal fiel die Wahl auf HELLA 90 mm Bi-LED Performance L45-65 (1AL 015 318-031) — Module mit deutlich höherer Lichtleistung und Reichweite als die Essential-Version.
Ich wollte aus dem Phoenix ein Fahrzeug machen, mit dem es auch nachts eine Freude ist zu fahren.
Die erste Überraschung
Das erste Problem trat auf, noch bevor wir auch nur einen einzigen Draht angeschlossen hatten.
Obwohl die neuen Scheinwerfer denselben Durchmesser von 90 mm wie die originalen Halogenscheinwerfer haben, ist ihre Konstruktion anders. Die originalen Halterungen des Phoenix konnten daher nicht verwendet werden.
Ich wollte jedoch keine neuen Löcher bohren oder die ursprüngliche Konstruktion verändern. Am Ende entwarfen wir einen eigenen 3D-gedruckten Adapter, der es ermöglichte, die originalen Befestigungspunkte des Phoenix zu nutzen — so konnten die neuen Scheinwerfer ohne jeden irreversiblen Eingriff in das Fahrzeug montiert werden.
Außerdem haben wir die gesamte Halterung so überarbeitet, dass jeder Scheinwerfer einzeln mit drei Stellschrauben justiert werden kann.
Das war der erste kleine Sieg.
Und dann kam die Elektronik…
Nach der mechanischen Montage erwartete ich, dass wir die Scheinwerfer einfach anschließen würden. Doch der Phoenix steht auf dem Fahrgestell des Iveco Daily 60C18, und die Beleuchtungselektronik wird vom Body Control Module (BCM) gesteuert. Und genau hier begann ein mehrtägiger Kampf.
LED-Scheinwerfer haben völlig andere elektrische Eigenschaften als die originalen Halogenglühbirnen. Das BCM erkannte das sofort — es traten Probleme mit der Lichtsteuerung auf, und es wurde klar, dass ein einfacher Austausch nicht möglich sein würde.
Die Suche nach einer Lösung
Ich wollte nicht die erste Lösung, die mir in den Sinn kam, ins Auto basteln. Das Ziel war, dass das gesamte System ebenso zuverlässig funktioniert wie ab Werk. Deshalb haben wir nach und nach fast alles ausprobiert, was in Frage kam.
Wir testeten verschiedene Leistungswiderstände, die den Stromverbrauch der originalen Halogenglühbirnen simulieren sollten. Wir maßen die Ströme. Berechneten die Belastung der einzelnen Stromkreise. Untersuchten die Konfigurationsmöglichkeiten des Steuergeräts. Suchten nach Informationen in ausländischen Foren. Wir berieten uns über mögliche Änderungen am BCM und am ECU.
Manche Versuche funktionierten teilweise. Andere schufen weitere Probleme. Nach einigen Tagen war klar, dass der Weg über Widerstände ins Nichts führte.
Ein Wechsel der Philosophie
Am Ende hörten wir auf, darüber nachzudenken, wie man das BCM zwingen könnte, die LED-Scheinwerfer mit Strom zu versorgen. Und wir änderten das gesamte Konzept.
Heute versorgt das BCM die Scheinwerfer überhaupt nicht mehr mit Strom — es steuert nur noch ein Relais. Die gesamte Leistung läuft über neue Kabel direkt von der Batterie über eine eigene Sicherung.
Plötzlich fing alles an zu funktionieren.
Wir dachten, wir hätten gewonnen…
Hatten wir nicht.
Nach dem Umschalten auf Fernlicht begann das Relais unangenehm zu klacken. Zuerst vermuteten wir ein defektes Relais, dann eine schlechte Masseverbindung.
Am Ende fanden wir die wahre Ursache: Der Ausgang des BCM hatte einen so geringen Strom, dass das Relais zwar anziehen konnte, es aber nicht mehr zuverlässig halten konnte. Das Relais bewegte sich genau an der Grenze zwischen Anziehen und Abfallen — deshalb klackte es ständig.
Die Lösung? Ein MOSFET.
Am Ende setzten wir zwischen BCM und Relais eine MOSFET-Schaltstufe ein. Dadurch wurde die Belastung des BCM-Ausgangs praktisch eliminiert, und das Relais erhielt ein stabiles Steuersignal.
Von diesem Moment an war das Problem gelöst.
Kein Klacken. Keine Fehler. Nur perfekt funktionierende Scheinwerfer.
Wenn schon Licht, dann richtig
Da die gesamte Frontpartie des Fahrzeugs bereits zerlegt war, entschied ich mich, noch ein Paar HELLA ValueFit LED Light Bar 522 mm mit Positionslicht hinzuzufügen. Im Armaturenbrett kam ein separater beleuchteter Schalter hinzu — so kann ich wählen, ob ich nur mit den Hauptscheinwerfern fahre oder auch die Dachleisten aktiviere.
Ihre Bedienung blieb dabei völlig intuitiv — die Fernlichter werden mit dem originalen Hebel unter dem Lenkrad geschaltet, genau wie bei einem Serienfahrzeug.
Hat es sich gelohnt?
Auf jeden Fall.
Wenn ich heute nachts auf Landstraßen oder über die Alpen fahre, ist der Unterschied zu den originalen Halogenscheinwerfern enorm.
Aber die größte Freude habe ich nicht daran, wie die Scheinwerfer leuchten. Ich freue mich über die Geschichte, die dahintersteckt — die Geschichte mehrerer Tage des Suchens, Messens, Ausprobierens von Sackgassen und schließlich einer Lösung, die genau so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt hatte.
📦 Verwendete Komponenten
- HELLA Bi-LED Essential — 1AL 015 318-111 (Abblendlicht, 1. Etappe)
- HELLA Bi-LED Performance L45-65 — 1AL 015 318-031 (Fernlicht, 2. Etappe)
- HELLA ValueFit LED Light Bar 522 mm mit Positionslicht (zusätzliches Fernlicht auf dem Dach)
- Eigener 3D-gedruckter Adapter zur Befestigung in den originalen Halterungen des Phoenix
- Justiersatz mit drei Stellschrauben pro Scheinwerfer
- Bosch BCM 5801631470 (originales Steuergerät des Iveco Daily)
- Kfz-Relais
- MOSFET-Schaltstufe
- Neue abgesicherte Stromversorgung direkt von der Batterie